
Tagebuch
Und plötzlich erwachsen
Es ist ein seltsames Gefühl, ein Haus zu betreten, in dem bis vor Kurzem noch jemand gelebt hat.
Die Dinge liegen noch dort, als würde die Person jeden Moment in den Raum kommen, sie in die Hand nehmen, etwas dazu sagen und sich mit dir unterhalten – als wäre nichts passiert.
Und dann begreifst du wieder, dass das nicht mehr passieren wird.
Weil diese Person vor ein paar Tagen gestorben ist.
Ich war dabei. Ich habe mich verabschiedet. Auch wenn mich das viel Überwindung gekostet hat, weil unser Verhältnis im vergangenen Jahr nicht immer gut war.
Weil diese Person vor ein paar Tagen gestorben ist.
Ich war dabei. Ich habe mich verabschiedet. Auch wenn mich das viel Überwindung gekostet hat, weil unser Verhältnis im vergangenen Jahr nicht immer gut war.
Was ist schon ein schwieriges Jahr im Vergleich zu den 55 anderen Jahren?
Nun stehe ich in dem Haus, in dem ich groß geworden bin. Alles sieht aus wie immer. Und für einen kurzen Moment wächst in mir die Hoffnung, dass meine Mutter gleich um die Ecke kommt.
Dass sie mich auch mit 56 Jahren noch als ihr Kind behandelt.
So, wie sie es immer getan hat.
Dass sie mich auch mit 56 Jahren noch als ihr Kind behandelt.
So, wie sie es immer getan hat.
Aber sie wird nicht kommen.
Und genau das macht mich unendlich traurig. Auch wenn ich noch gar nicht richtig begreifen kann, dass sie wirklich nicht mehr da ist.
Langsam wird mir klar, was es bedeutet, wenn beide Eltern gestorben sind.
Man verliert nicht nur zwei Menschen. Man verliert auch den Ort, an dem man selbst immer Kind bleiben durfte.
Vielleicht ist man erst dann endgültig erwachsen.
Langsam wird mir klar, was es bedeutet, wenn beide Eltern gestorben sind.
Man verliert nicht nur zwei Menschen. Man verliert auch den Ort, an dem man selbst immer Kind bleiben durfte.
Vielleicht ist man erst dann endgültig erwachsen.