1980 bei meinem ersten New York Urlaub überhaupt

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1980 auf dem Times squre

Ich habe mich mit einem Virus infiziert – und schuld daran sind vermutlich meine Eltern! Denn sie waren es, die mich im Alter von zehn Jahren das erst Mal nach New York mitgenommen haben. Und es gibt etwas aus diesem Urlaub, das mich auch heute noch sofort wieder in das New York von 1980 versetzt.

Mit zehn Jahren auf dem Times Square: Stolz wie Oskar und schon mit einem Fotoapparat in der Hand

Ok, ich gebe zu, dieses Foto habe ausnahmsweise nicht ich fotografiert, sondern mein Vater oder meine Mutter. Man sieht mich auf dem Times Square – im Hintergrund der Platz auf dem heute die rote TKTS-Treppe ist. Und wenn man genau hin schaut, dann sieht man, dass ich auch mit zehn Jahren schon mit einem Fotoapparat durch Manhattan gelaufen bin. Das Foto ist bei einem New-York-Besuch an Ostern 1980 entstanden – bei meinem ersten New-York-Besuch überhaupt – entstanden.

1980 auf dem Times Square
1980 auf dem Times Square

Vom Angsthasen zum Fanboy

Auf den Flug nach New York hatte ich erstmal nicht so richtig Lust. Im Vorfeld gab es ein paar dramatische Abstürze, von denen ich auch Bilder im Fernsehen gesehen hatte. Und das machte mir ziemlich Angst. Aber erstmal am Bord des Jumbos, war die Angst wie verflogen. Die neun Stunden Flugzeit waren dann für mich doch eher Langeweile pur. Es gab damals eben nicht das Unterhaltungsprogramm von heute. Es wurde ein Film gezeigt – und das war es. Und beim Blick aus dem Fenster sah man nur Wasser. So fühlte sich die Flugzeit schnell doppelt so lang an, als sie tatsächlich war. Trotzdem – fragte man mich damals nach dem Urlaub, was ich mal werden möchte, wenn ich erwachsen bin – kam wie aus der Pistole geschossen: „Stewardess“. Daraus wurde dann etwas später: „Pilot“.

Yeah – um 6.00 Uhr morgens schon Fernsehprogramm und Speck zum Frühstück!

Begeistert war ich als Kind natürlich auch, dass man bereits um 6.00 Uhr den Fernseher einschalten konnte und da lief dann – im Gegensatz zu Deutschland – auch schon Programm: Zeichentrick-Filme! Eben alles was ein Kinderherz schneller schlagen lässt …

Und dann: Salzige Butter zum Frühstück zusammen mit Erdbeermarmelade – erst eklig, dann der Hit! Ebenso die gebratenen Speckstreifen und das Rührei – am Anfang erst etwas komisch – aber dann – yeah!

Auf den Spuren der Vergangenheit

Noch gar nicht so lange her, hatte ich meine Mutter mal gefragt, ob sie sich noch erinnere, wo das Hotel gelegen habe. Allerdings konnte sie sich nicht mehr genau erinnern – nur, dass es „Prince George“ hieß. Und wo sie die Rechnung abgelegt hatte. Die war wohl für damalige Verhältnisse exorbitant …

Im Internet habe ich dann einen „Prince George Ballroom“ in der 27. Straße gefunden. Das dazugehörige Hotel wurde aber schon vor Jahren geschlossen. Ich bin dann mal bei einem meiner letzten Besuche, zu der U-Bahn-Station gefahren, zu der wir auch 1980 immer gefahren sein mussten, wenn wir zurück ins Hotel wollten. Von dort bin ich dann den Weg zum Hotel gelaufen. Die Stadt hat sich zwar in den letzten 40 Jahren sehr verändert, trotzdem fühlte es sich doch ein bisschen wieder wie 1980 an. Vielleicht aber auch deshalb, weil sich die U-Bahn-Stationen in New York seit 1904 so gut wie nie verändert haben.

Der Joggel 1980 und 2020 am Times Square
2020 vs. 1980 – der Joggel auf dem Times Square

Hohe Gebäude und schnelle Aufzüge

Und dann war da das Empire Statebuilding – soooooo hoch! Und das Word-Trade-Center – noch viel höher – und dazu noch mit einem schnellen Aufzug. Ich war einfach begeistert. Auch davon, in einem Restaurant in einer der oberen Etagen des PanAm-Buildings (heute das MetLife-Building gleich am Grand Central Terminal), einen Sandwich zu essen.

Auf dem World Trade Center ist übrigens auch eines meiner ersten Bilder entstanden, das ich in New York – oder sogar überhaupt – fotografiert habe. Das Motiv würde ich heute wohl anders wählen – aber immerhin!

Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich sehr beeindruckt von einer Multimedia-Show war, in der die Geschichte New Yorks erzählt wurde – Disko-Kugel inbegriffen. Und dann mit der „Circle Line“ einmal an der Freiheitsstatue vorbei und dann rund um Manhattan.

„Oklahoma“ – das Musical am Broadway

Ein weiterer Höhepunkt, an den ich mich erinnere: „Oklahoma“ am Broadway. Ich weiß, meine Eltern haben lange überlegt, ob sie mit meinem Bruder und mir in das Musical sollen. Schließlich haben wir zu dem Zeitpunkt kein einziges Wort oder kaum englisch gesprochen. Aber wir sind in das Musical gegangen. Und es war der Hammer! Bis zu dem Zeitpunkte kannte ich maximal die Stadthalle in Giengen als Theater. Und das ist wahrlich kein Vergleich zu einem Broadway-Theater. Von der Show habe ich dann tatsächlich wenig verstanden. Aber das war nicht weiter schlimm. „Oh what a beautiful Morning“ und „Oklahoma“ waren die beiden Ohrwürmer, die ich in meiner Erinnerung mitgenommen habe – und auch die Schauspielerin, die irgendwie wie die Mutter eines Klassenkameraden aussah.

Bis zum Januar 2020 lief „Oklahoma“ nochmal am Broadway. Leider habe ich es bei meinem spontanen Trip im Januar 2020 nicht geschafft, nochmal in das Musical zu gehen. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich das in jedem Fall nochmal machen …

Wenn ich das rieche bin ich sofort wieder in New York des Jahres 1980

Es gibt tatsächlich etwas, das mich die letzten 40 Jahre immer wieder in das New York von 1980 gebracht hat. Das ist der Geruch von angebrannten Brezeln. Die gab es damals – und die gibt es heute noch – an den Straßenrändern in Manhattan. Aus irgendeinem Grund mag der New Yorker die (im Vergleich zu unseren Brezeln) fad schmeckenden Brezeln warm. Und beim Erwärmen brennt dann immer mal wieder eine Brezel an.

Das hat dann einen ganz charakteristischen Geruch – und wenn mir der in die Nase steigt, bringt er mich zurück auf den Times Square des Jahres 1980. Und ich stehe da als stolzer Zehnjähriger mit meiner Kamera in der Hand und posiere für ein Foto für das Familienalbum.

Ich liebe New York und ich liebe es zu fotografieren. Und das sind meine Themen.

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